Meine ersten Versuche der Astro-Fotografie

Ausrüstung:

Teleskope und Zubehör:

Omegon ProNewton N 203/1000 OTA (neu) und Orion N 150/750 StarSeeker IV,

iOptron iEQ30 Pro - Montierung, 2x und 3x Barlow-Linse, Okularprojektionsadapter, verschiedene Okulare.

Kameras:

Canon EOS200D, Omegon veLOX 290 C Color Astro-Cam

Objektiv:

Samyang AF 14/2,8 DSLR Autofokus Canon EF-Objektiv.

 

Meine ersten Versuche der Astro-Fotografie

Ausrüstung:

Teleskope und Zubehör:

Omegon ProNewton N 203/1000 OTA (neu) und Orion N 150/750 StarSeeker IV,

iOptron iEQ30 Pro - Montierung, 2x und 3x Barlow-Linse, Okularprojektionsadapter, verschiedene Okulare.

Kameras:

Canon EOS200D, Omegon veLOX 290 C Color Astro-Cam

Objektiv:

Samyang AF 14/2,8 DSLR Autofokus Canon EF-Objektiv.

 

Einleitung

Der Satz "Astrophotography is not like taking a photo of your cat" aus einem Erklärvideo im Internet hat sich mir inzwischen eingeprägt. Es ist tatsächlich nicht so einfach. Zum Beispiel ist der Jupiter im Durchschnitt 778 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Es geht darum, die Photonen, die ein solches Objekt aussendet, einzufangen und dann ein vernünftiges Signal aus dem Rauschen zu generieren. Und - letztendlich ein Bild.

Grundsätzlich gibt es "Teilbereiche" in der Astro-Fotografie: zum Beispiel die Planetenfotografie und die "Deep-Sky-Fotografie" (Galaxien und Nebel). Gute Fotos der Milchstrasse gelingen mit einer DSLR-Kamera, einem Stativ und einer langen Belichtung, für Planeten und Deepsky-Objekte braucht es ein Telekop und gute Sicht. Bei der Planetenfotografie wird ein "Film" aufgenommen, dieser wird dann durch eine Software in Einzelbilder "zerlegt". Die Einzelbilder werden von einer weiteren Software zu einem einzigen Bild zusammengefügt und dann (mit noch mehr Software) gefiltert, entrauscht und geschärft.

Da sich Die Erde dreht, scheinen sich die Sterne zu bewegen. Bei langen Belichtungszeiten (z.B. Milchstrassen-Aufnahmen) oder langen (Film-)Aufnahmen ist das Nachführen daher essentiell. Im Tell "erste Ergebnisse" seht Ihr meine ersten Aufnahmen der Milchstrasse. Diese habe ich nur mit Kamera und Stativ aufgenommen und Ihr seht schon, dass die Sterne dort aufgrund der Bewegung zu Strichen (="trails") werden. Eine Nachführungseinrichtung, die der Erdbewegung folgt, würde das verhindern. Somit wären noch längere Belichtungszeiten möglich. Für Deep-Sky-Aufnahmen (soweit bin ich aktuell noch nicht) mit einen Telekop ist eine Nachführung unerlässlich.

Hardware

Meine Lernkurve bezüglich der nötigen Ausrüstung geht stetig nach oben. Meine ersten Himmelsbilder habe ich mit meiner Canon EOS200D DSLR-Kamera gemacht. Irgendwann habe ich mir ein lichtstärkeres Objektiv (Samyang AF 14/2,8 DSLR Autofokus Canon EF) dazu angeschafft. Mit dem Objektiv und einem Stativ gelingen gute Aufnahmen, die Nachführung dazu fehlt mir aber noch.

Mit der Fotografie von Galaxien oder Nebeln habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt, mein "Anfängerfokus" liegt momentan auf den Planeten des Sonnensystems.

Ich habe mit einem ganz einfachen Teleskop (<100€) angefangen und den Mond damit beobachtet. Sogar meine Canon habe ich - mittels Adapter - dort angeschlossen. Das Ganze war natürlich furchtbar wackeling aber es sind mir trotzdem recht gute Fotos von der Mondoberfläche gelungen:

Irgendwann wollte ich dann "mehr" und um nicht gleich eine Menge Geld auszugeben, habe ich mir bei ebay-Kleinanzeigen ein gebrauchtes Orion N 150/750 StarSeeker IV-Teleskop mit einer sogenannten "Goto"-Montierung gekauft. Die Aufnahmen damit waren schon deutlich besser:

Der nächste Schritt war der Ersatz des Teleskop-Tubus:

Ich habe mich für ein im Verhältnis zu anderen Teleskopen relativ preiswertes Newton Teleskop entschieden. Das Omegon ProNewton N 203/1000 OTA hat eine Brennweite von 1000mm und eine Öffnung von 203mm (8 Zoll):

Den Tubus habe ich zunächst auf die Montierung des Orion N 150/750 StarSeeker IV gesetzt. Da der aber deutlich schwerer ist, ist der Motor der Montierung damit schon ziemlich am Limit.

Jede Bewegung ist ruckelig - gerade wo es auf Millimeter ankommt. Auch ist die Montierung des Starseekers "azimutal", d.h. sie wird horizontal und vertikal bewegt. Eine Nachführung, die der Erdachse folgt (und damit längere Belichtungszeiten ermöglicht) ist damit ohne weiteres nicht machbar.

Also musste ein "richtiger" Mount her: ich habe mich für eine parallaktische oder auch äquatoriale Montierung entschieden. Diese wird parallel zur Erdachse ausgerichtet und folgt den Himmelsobjekten somit nur auf einer Achse. Ich habe mich für die iOptron iEQ30 Pro - Montierung entschieden. Diese hat u.a. einen eingebauten GPS-Empfänger und ist in der Lage, den Himmelsobjekten zu folgen. Einmal zentriert bleibt das Objekt immer im Zentrum des Suchers:

Bei dieser Art Montierung wird das Gewicht des Telekops immer durch ein Gegengewicht ausbalanciert. Beim ersten Aufbau stellte sich heraus, dass der Tubus unseres Newton zu schwer für das mitgelieferte Gegengewicht war. Weil wir nicht auf die Lieferung eines weiteren Gewichtes warten wollten, haben wir uns folgende "Mac Gyver"-Lösung einfallen lassen: wir haben eine Konservendose aufgeschnitten, einen Schlauch in der Mitte zentriert und das ganze mit Schnellzement gefüllt. Fertig ist das Gegengewicht - funktioniert bestens:

Ich habe die Montierung zunächst grob nach Anleitung eingenordet. Um ein genaues "Goto" (also die Anfahrt zu einem Objekt) auf Knopfdruck zu ermöglichen, muß die Montierung auf den Polarstern ausgerichtet sein. Hierzu hat das Gerät einen Polsucher. In die Thematik muß ich mich allerdings noch ein wenig "eingrooven", für ein Plantentracking reicht unsere bisherige Einrichtung aber schonmal.

Wenn die Kamera auf dem Okularauszug des Teleskopes montiert wird, hat man mehrere Möglichkeiten:

1) Man benutzt ein Okular und setzt einen Okularprojektionsadapter darauf. Die Vergrößerung des Bildes wird durch das Okular bestimmt.

2) Man setzt die Kamera direkt auf den Okularauszug. Das ist in der Regel die Variante, die zu besseren Ergebnissen führt.

Zur Verlängerung der Teleskopbrennweite und zur Vergrößerung des Objektes kann man bei beiden Varianten zusätzlich eine Barlow-Linse benutzen.

Zur Kamera: für die Fotografie von Planeten ist es sinnvoll, mögllchst viele Bilder zu machen. Diese werden dann mit einer speziellen Software übereinandergelegt (=gestacked) und es wird ein "best-of"-Summenbild erzeugt. Mit der Spiegelreflex-Kamera ist das über die "Zeitraffer"-Funktion möglich. Meine Canon EOS200D macht da aber nur 1 frame(=1 Bild) pro Sekunde.

Sinnvoller ist eine Astro-/Planetenkamera. Ich habe mich für die Omegon veLOX 290 C Color Astro-Cam entschieden, Diese Kamera macht - je nach eingestellter Belichtungszeit - bis zu 126 Bilder. Pro Sekunde, wohl gemerkt. Wenn man also 1000 frames mit einer Spiegelreflexkamera machen will, steht man sich ganz schön die Beine in den Bauch - mit einer Planetenkamera ist das schon deutlich schöner und das Ergebnis ist viel besser!

Als Ideale Kombination für die Planetenfotografie hat sich für mich die Nutzung einer (hochwertigen) 3-fach Barlow-Linse im Zusammenspiel mit der oben genannten Kamera herausgestellt.

So eine Kamera hat übrigens keinen Sucher, für die Benutzung ist ein Laptop erforderlich.

Es gibt - auf der Hardwareseite - weitere Möglichkeiten der Verbesserung. Zum einen gibt es diverse Farbfilter, hier übe ich gerade noch ein wenig.

Planeten, die dicht über dem Horizont stehen, haben auf Bildern in der Regel einen "bunten Rand". Dies liegt an der über dem Horizont relativ dichten Atmosphäre. Diese wirkt wie ein Prisma und sorgt für die Farbverfälschungen. Das Phänomen nennt sich "Atmosphärische Dispersion". Auf der Teleskopseite kann man dem mit einem ADC-Filter (Atmospheric Dispersion Correktor) entgegenwirken. Ein ADC besteht in der Regel aus 2 gegeneinander verschiebbaren Prismen, die diese Farbfehler kompensieren. Aktuell haben ich mir so einen Filter bestellt und werde an dieser Stelle darüber berichten.

Wichtig ist bei einem Newton Teleskop auch die Kollimation. Diese Teleskopart hat einen Hauptspiegel und einen Primärspiegel. Um ein gutes Ergebnis zu erzeilen, müssen die beiden Spiegel genau aufeinander ausgerichtet sein. Ich mache das mittlerweile recht häufig. Mit einem Laser-Kollimator ist das sehr einfach und in 3 Minuten erledigt.

Um das ganze Gerödel nicht ständig auf die umliegenden Felder schleppen zu müssen, habe ich mir ein "Astro-Cart" gebastelt: Eine Schubkarre mit (Gummi-gedämpfter und gepolsterter) Teleskopaufnahme und Ablagefläche für Stativ und zwei Klappstühle. Die Stativ-Ablage lässt sich aufklappen und im Bauch der Transportkarre gibt es - ebenfalls gepolstert - reichlich Stauraum für Montierung, Gegengewichte, Laptop, DSLR, Objektive, Okulare, Filter, usw. Ein Bierhalter darf natürlich nicht fehlen:

Neuerdings wird mein Aktionsradius ausserdem durch eine autarke 12V-Stromversorgung erweitert - ich bin jetzt nicht mehr aud die lästigen Kabeltrommel angewiesen !

 

 

Software zur Teleskopsteuerung

Über standardisierte Plattformen für Treiber von astronomischer Hardware lassen sich "bessere" Teleskopmontierungen problemlos vom Computer aus fernsteuern.

1) Die Treiberplattform:

Für Windows gibt es die ASCOM-Plattform (https://ascom-standards.org/) und für Linux INDI (Instrument Neutral Distributed Interface): https://indilib.org/

Die ASCOM-Plattform benötigt nach Download von der o.a. Internetseite den Treiber des Herstellers Eurer Montierung,.

Meine Montierung - die iOptron IEQ30Pro - hat einen RS232-Anschluß.Die Anschluß dafür ist teleskopseitig ein RJ9-Stecker, ein Kabel von RJ9 auf 9-Pol Sub-D ist im Lieferumfang enthalten. Da heutzutage kaum ein Laptop noch diese Buchse hat, benötige ich noch einen Adapter auf USB. Wenn dieser in den Laptop eingesteckt wird, installiert sich ein "virtueller COM-Port". 

Mit dem iOptron-Treiber installiert sich auch der "iOptron-Commander". Hier gibt man den installierten COM-Port an (in meinem Fall COM3) und kann sich dann auch schon mit der Teleskop-Montierung verbinden.

Mit Klick auf "Mount Panel" öffnet sich dann der "virtuelle Handcontroller" und ich kann mit dem PC jetzt alle Funktionen des Handcontrollers ausführen:

2) Stellarium:

Es gibt verschiedene "Planetarium"-Programme die in der Lage sind, Teleskopmontierungen zu steuern. Ich habe mich für die vielseitige Software "Stellarium" entschieden.

https://stellarium.org/de/

Stellarium ist eine unter GNU General Public License produzierte quelloffene, freie und kostenlose Software. Stellarium bildet den kompletten Sternenhimmel ab und spricht direkt das über die ASCOM- oder INDI-Plattform verbunde Teleskop an. Mit Klick auf ein Himmelsobjekt lässt sich das Teleskop somit direkt und quasi vollautomatisch dorthin schwenken.

Stellarium ist wie gesagt ein sehr vielseitiges Programm. Durch Eingabe von verschiedenen Okularen, Teleskopen, Brennweiten, usw. lässt sich zum Beispiel der Blick auf ein Objekt (und damit letztendlich das Foto-Resultat) simulieren. Ich beschränke mich aufgrund der Fülle der Funktionen auf die wesentlichen Punkte, denn das Programm ist sehr gut dokumentiert.

a) EIngabe des Standortes

Ist Stellarium gestartet, dann zeigt sich je nach aktueller Uhrzeit eine Landschaft mit einem Tag- oder Nachthimmel, mit der Maus könnt Ihr dort navigieren und zoomen.

Wenn Ihr Eure Maus zum rechten Bildrand bewegt, öffnet sich eine Menüleiste.

Zunächst müsst Ihr Euren genauen Standort eingeben. Hierzu klickt Ihr auf Standortfenster. Wenn Euer Standort nicht in der Orts-Liste erscheint, dann müsst Ihr diesen erstellen. Besorgt Euch die GPS-Koordinaten Eures Standortes aus dem Internet oder von einer Handy-App, vergebt einen Namen und setzt den Haken bei "aktuellen Ort als Standard setzen".

b) Teleskop mit Stellarium verbinden

Ist das Teleskop bereits per ASCOM (oder INDI) eingebunden, dann könnt Ihr die Steuerung auch von Stellarium durchführen lassen. Klickt hierzu - wieder im rechten Menü - auf den Schraubenschlüssel.

Es öffnet sich das "Einstellungsfenster". Hier klickt ihr auf den Reiter "Erweiterungen" und dann auf "Teleskopsteuerung" und schließlich auf "Konfigurieren":

Im nächsten Fenter wählt Ihr das Symbol für "ein neues Teleskop hinzufügen":

 

Danach wählt Ihr Eure Plattform (ASCOM oder INDI). Im unteren Fensterteil klickt Ihr (wenn Ihr ASCOM verwendet) auf "wähle ASCOM Teleskop":

Es öffnet sich ein Auswahlfenster - hier wählt Ihr Euer Teleskop:

Dann gebt Ihr dem Teleskop einen Namen und setzt den Haken bei "Start/Verbinde bei Programmstart". Zum Schluß klickt Ihr auf "OK".

Jetzt ist Stellarium in der Lage, Euer Teleskop zu steuern. Im könnt jetzt ein Himmelsobjekt mit einen Doppelklick auswählen. Wenn Ihr nur ein Teleskop konfiguriert habt, dückt Ihr "ALT" und "1" und Euer Teleskop schwenkt automatisch zum gewünschten Objekt. (Bei mehreren konfigurierten Teleskopen stünde "ALT+2" für das zweite Teleskop, "ALT+3" für das dritte, usw.)

c) Ein Objekt suchen:

Ein Objekt mit Stellarium zu finden ist ganz einfach. Ihr klickt im rechten Menü auf die Lupe, es öffnet sich das "Suchfeld". Hier gebt Ihr den Namen Eures Zielobjektes an oder sucht in den Kataloglisten danach:

d) die untere Menüleiste:

Wenn Ihr mit der Maus an den unteren Rand des Stellarium-Fensters fahrt, öffnet sich die untere Menüleiste. Hier könnt Ihr Euch z.B. die Bodenansicht ein- und ausschalten oder - zu leichteren Identifikation der Objekte - unter anderem Sternbild-Linien und -Bezeichnungen und Gradnetze einblenden lassen:

e) die Menüleiste oben links:

Ganz besonders Interessant ist auch die Menüleiste oben links. Hier könnt Ihr Euer Equipment wie Linsen, Teleskope, usw. mit sämtlichen optischen Spezifikationen eingeben und so den optimalen Blick auf Euer Objekt simulieren: wie sähe der Jupiter durch ein Teleskop mit einer Öffnung von 203mm und einer Brennweite von 1000mm mit einem 10mm Okular und einer 2fach-Barlow Linse aus?

Ein Klick auf "Okularansicht" zeigt Euch dann, wie Euer Blick durch das Okular mit Eurer Ausrüstung aussehen würde:

 

3) Verbindung zum Steuerrechner per RDP

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, Teleskop und Steuerung an Ort A aufzustellen und dann von Ort B aus zu steuern. Eine mögliche Anwendung wäre zum Beispiel eine Belichtung über mehrere Stunden, die sich vom heimischen PC am warmen Schreibtisch eventuell angenehmer überwachen lässt -  während das Teleskop z.B. in kalter Winternacht im Garten vor sich hin "arbeitet" und der Sternenbewegung folgt.

Da mein Hauptrechner ein Linuxrechner ist, nutze ich eine spezielle Software, um mich mit dem Windows Remote-Desktop meines Astro-Laptops zu verbinden. Mehr darüber könnt Ihr auf dieser Seite unter "Verbindung zu einem Windows Remote Desktop" lesen: https://www.jochens-techblog.org/index.php/projekte/linux

Sollte der Teleskop-Standort ausserhalb der Reichweite meines heimischen WLANs sein, könnte ich mich per Handy-Hotspot und VPN mit dem Teleskop verbinden.

 

Seeing und andere Faktoren

Das Seeing

Einer der wichtigsten Faktoren bei der Beobachtung von Himmelkörpern ist das sogenannte "Seeing". Ich habe vor kurzem diese Aufnahme hier gemacht:

Von meinem Standpunkt aus war der Himmel absolut klar, trotzdem kam nur so ein wackeliges Bild vom Jupiter zustande. Das liegt daran, dass das "Seeing" nicht ok war.

Störungen werden zum Beispiel durch Luftturbulenzen, Höhenwinde, aufsteigende Thermiken, usw. verursacht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Seeing

Zum Zeitpunkt der Aufnahme wehte tatsächlich ein relativ starker Höhenwind.

Atmosphärische Dispersion

Auch im Video oben zeigen sich zusätzlich Farbsäume am Objekt. Das liegt daran, dass der gefilmte Jupiter zu diesem Zeitpunkt recht tief über dem Horizont stand. Die dort relativ dichte Atmosphäre lenkt dann Licht unterschiedlicher Wellenlängen stärker oder schwächer ab: blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes. Zur Umgehung dieser Problematik gibt es einen sogen. ADC (Athmospheric Dispersion Corrector). Dieser besteht i.d. Regel aus 2 Prismen, die gegeneinander verschiebbar sind und so die Dispersion der Atmosphäre korrigieren.

Polar Alignment - die Ausrichtung auf den Polarstern

Die Einnordung der Teleskopmontierung (Polar Alignment)

Bei parallaktischen oder auch äquatorialen Montierungen folgt die Bewegung des Teleskopes der Erdachse. Die Montierung muß deswegen genau auf den Himmelsnordpol ausgerichtet sein um exakt der Erddrehung zu folgen. Ohne diese "Einnordung" kann das Teleskop Objekte nicht genau tracken oder per Goto-Funktion finden. Es gibt verschiedene Methoden so einer "Einnordung", auf der Nordhalbkugel ist die gängistste die Nutzung des Polarsterns (Polaris) als "Referenzobjekt". Dieser steht jedoch nicht genau am Himmelnordpol sondern umkreist ihn etwas. Der genaue Standort von Polaris ist somit abhängig von Uhrzeit und Datum.

Wird die Montierung aufgestellt, sollte die "Stop"-Position so festgelegt sein, dass die optische Achse des Teleskop parallel zur RA-Achse der Montierung nach oben zeigt und die Gegengewichte nach unten. Die Montierung hat dann in der Regel einen Punkt, der nach Norden zeigen sollte bzw. das Stativ hat ein "Nordbein". Dieses wird grob mit einem Kompass nach Norden ausgerichtet. Der Breitengrad der aktuellen Position muß ebenfalls einstellt werden, hierzu hat die Montierung eine Skala.

 

Das Stativ muß absolut gerade stehen, dafür gibt es in der Regel eine kleine Libelle/Wasserwaage an der Montierung.

Viele Montierungen haben ein (eventuell beleuchtetes) Polsucher-Fernrohr eingebaut. Schaut man durch dieses Fernrohr, sieht man ein Fadenkreuz mit diversen Kreisen.

Innerhalb dieser Kreise wird der Polarstern dann - abhängig von seiner augenblicklichen Position - durch Justage der Polhöhenschrauben und der Azimuthschrauben für die Himmelsrichtung bewegt und eingestellt.

Die aktuelle Position des Sterns zeigt meine Teleskop-Montierung grafisch auf dem Handbedienteil an: die Kreise, die auch im Polsucher-Fernrohr zu sehen sind, werden auf dem Display dargestellt, die augenblickliche Position von Polaris auch. Alternativ gibt es auch diverse Apps für das Mobiltelefon, die anhand Eurer Koordinaten so ein Polsucher-Fadenkreuz anzeigen.

Um ehrlich zu sein - das ist alles ein ziemlicher Krampf - gerade für Anfänger wie mich. Man muß die Positon des Polarsternes ablesen, sich dann vor das Teleskop knien und aufwärts durch das Polsucher Fernrohr gucken:

Man verbiegt sich also ziemlich den Rücken und muß immer wieder die Polaris-Position mit App oder Grafik auf dem Handteil vergleichen - schließlich muß es genau werden.

Ich habe im Internet etwas viel besseres gefunden: den genialen PoleMaster, der macht das Leben deutlich einfacher!

(Disclaimer: Ich weise vorsorglich darauf hin, dass ich in keiner Weise mit der Hersteller-Firma verbandelt bin oder Geld für Werbung bekomme!).

PoleMaster ist im wesentlichen eine kleine Kamera, die auf die Blick-Achse des Polsucher-Fernrohrs geschraubt wird. Abhängig von Eurer Montierung benötigt Ihr noch einen Adapter für die Befestigung:

Die PoleMaster-Kamera wird mit dem Laptop verbunden, das Teleskop befindet sich in der oben beschriebenen Stop-Position, die Kamera zeigt also schonmal nach Norden.

Nach Start der Software klickt Ihr auf "Connect" und solltet dann schonmal den Sternenhimmel sehen. Der hellste Stern ist in der Regel schon Polaris. Sollte dieser nicht ganz in der Mitte stehen, dann ist Euer Stativ vermutlich zu ungenau in Richtung Norden ausgerichtet. Ihr könnt es vorsichtig ein wenig verrücken, es muß danach aber wieder exakt und laut Wasserwaage gerade gestellt werden. Es kommt nicht darauf an, dass Polaris exakt in der Mitte steht, er sollte nur nicht zu weit am Rand liegen..

Wenn zu wenig Sterne auf Eurem Bild zu sehen sind, könnt Ihr im nächsten Schritt die Belichtung einstellen. Wenn Ihr zufrieden seid, dann klickt "Finished":

Als nächstes folgt ein Doppelklick auf den Polarstern. Es zeigen sich 5 Kreise um den Polarsten. Mit dem "Rotate"-Slider dreht Ihr jetzt den Sternenhimmel, bis in jedem dieser Kreise ein Stern zu sehen ist. Wenn die Sterne nicht in die Kreise passen, dann ist das, was Ihr doppelt geklickt habt nicht der Polarstern. Wenn es so aussieht, wie in dem folgenden Bild, könnt Ihr "Success" klicken:

Ihr werdet jetzt aufgefordert, einen beliebigen anderen Stern zu klicken und die Montierung mit Hilfe des Handcontrollers mindestens 30 Grad in Pfeilrichtung zu drehen.

Merkt Euch dabei den ausgewählten Stern, Ihr müsst Ihn nach der Drehung nochmals klicken und weitere 30 Grad in die selbe Richtung drehen. Wenn die Drehung abschlossen ist, klickt Ihr jeweils "Finished":

Jetzt wird Euch ein grüner Kreis eingeblendet - der von Euch gewählte Stern sollte auf der Kreislinie liegen. Ihr werdet aufgefordert, das Teleskop wieder in die Stop-Stellung zu bringen.

Dabei sollte der von Euch gewählte Stern die Kreislinie entlangfahren und sie nicht verlassen:

Wenn alles passt, dann klickt Ihr auf "Correct".

Jetzt werdet Ihr erneut aufgefordert, den Polarstern doppelt zu klicken und die 5 Sterne so wie vorhin in die 5 Kreise zu bringen. Passt alles, dann klickt Ihr "Success":

Jetzt sehr Ihr einen kleinen rotierenden Kreis auf dem Bildschirm. Mit den Höhen- und Azimuthschrauben bewegt Ihr Eure Montierung jetzt so, dass der Polarsten in diesem Kreis landet.

Das erfordert ein bisschen Fingerspitzengefühl, aber die Übung macht den Meister. Ist Polaris im Kreis, klickt Ihr "Finished":

Dann kommt nochmal die bereits bekannte Drehung mit dem Slider. Doppelklickt auf Polaris. Passen die 5 Sterne in die 5 Kreise? Dann klickt auf Success!:

Jetzt kommt die Feineinstellung mit den Schrauben der Montierung: Das Grüne muß ins Rote:

Wenn alles passt, klickt einmal "Finished".

Und das war es auch schon. Klingt kompliziert, ist für meinen Geschmack aber deutlich angenehmer als das Prozedere mit dem Polsucher-Fernrohr. Ausserdem ist diese Methode sehr viel präziser, laut Hersteller liegt die Einrichtgenauigkeit im besten Fall bei 30 Bogensekunden.

Soll das Teleskop die Goto-Funktion nutzen, so muß zusätzlich die Ausrichtung auf 2 oder besser 3 "Alignment-Stars" erfolgen. In einem Erklärvideo im Internet wurde davon gesprochen, dass der PoleMaster so genau ist, dass für dieses Prozedere ein einziger Stern reicht. ich habe es ausprobiert und als Referenzstern den leicht zu findenden "Kochab" genutzt. Einmal im Sucher zentriert und als "Alignment-Star" gekennzeichnet, fährt das Teleskop sehr genau alle Suchobjekte ab.

(Kartenauschnitt aus Stellarium)

 

Software zur Bildnachbearbeitung

Für das Filtern und Schärfen meiner Rohbilder benutze ich momentan folgende Programme:

1) PIPP - Planetary Imaging PreProcessor

https://sites.google.com/site/astropipp/

PIPP ist eine kostenlose Software. Sie ist für Windows entwickelt, läuft aber problemlos unter Linux mit Wine

In PIPP wird zunächst das von der Plantenkamera erzeugte AVI-Video geladen ("Add Image Files") und für Plantenaufnahmen wird die Option "Planetary" angehakt:

Mit der Option "Planetary" übernimmt PIPP schon alle wesentlichen Einstellungen für Planetenbilder. Es hat sich für mich als sinnvoll herausgestellt, unter "Processing Options" die Einstellung "Stretch Histogram White Point to" auf 85% einzustellen:

Danach klickt man auf den Reiter "Do Processing" und dann auf "Start Processing".

Das Programm erzeugt jetzt eine AVI-Datei in der das Objekt/der Planet zentriert ist.

2) Autostakkert

https://www.autostakkert.com/

Autostakkert zerlegt Euer Video in Einzelbilder und errechnet daraus ein Summenbild.

Auch Autostakkert ist für nicht gewerbliche Nutzung kostenlos (der Entwickler freut sich über eine Spende!). Das Windows-Programm läuft problemlos unter Linux mit Wine.

Wenn Autostakkert geöffnet wird, öffnen sich 2 Fenster. Zuerst das Hauptfenster:

Mit "Open" ladet Ihr Euch die von PIPP erstellte AVI-Datei in das Programm. Das Objekt erscheint dann im 2. Fenster (=Frame View).

Die Einstellung "Frame percentage to stack" stellt ein, aus wieviel Prozent der gestackten Frames ein Summenbild erstellt werden soll. In meinem Beispiel habe ich die besten 5, 10 und 20% aller Einzelbilder ausgewählt. Autostakkert erstellt nach der Bildverarbeitung dann 3 Ordner mit den jeweiligen Ergebnissen aus 5%,10% und 20%.

Eine weitere Einstellung wäre das "Drizzle": Durch Interpolation von Pixelzeilen kann hier das Ausgabebild vergrößert werden (1,5fach oder 3fach) - hier müsst Ihr probieren, was zum besten Ergebnis führt.

Im zweiten Fenster ("Frame View") erscheint wie gesagt nach dem Laden das zentrierte Bild aus dem AVI von PIPP:

Ihr könnt mit den Schiebereglern "Width" und "Height" die Bildgröße einstellen. Dann ist es wichtig "Alignment Points" zu setzen.

Die "Alignment Points" oder "APs" sind Referenzpunkte, an denen der Bildstapel ausgerichtet wird. Mit "AP Size" wählt Ihr die Größe dieser Referenzpunkte. Je kleiner, desto mehr werden gesetzt. Ich habe festgestellt, dass zu viele Punkte zu Fehler im Summenbild führen - auch hier führt ein Ausprobieren zum Ziel. Ist die Größe der Punkte ausgewählt, klickt Ihr "Place AP Grid". Das sieht dann ungefähr so aus:

Zum Schluß klickt Ihr dann im Hauptfenster auf "2) Analyse" und dann auf "3) Stack". Autostakkert erstellt dann nach kurzer Zeit die oben beschriebenen Ordner im Verzeichnis des PIPP-AVIs. Das Summenbild sollte in Qualität jetzt schon deutlich besser als das Ursprungsbild im Kameravideo sein.

3) Giotto

http://www.giotto-software.de/

Giotto ist eine schon etwas ältere Windows-Software, die aber exzellente Filter zur Bildverbesserung hat. Auch Giotto läuft unter Linux mit Wine.

Das Summenbild aus Autostakkert wird in Giotto geladen. Für ein schnelles Ergebnis drückt Ihr "Bearbeiten", dann "Filtern und Schärfen". Bei "Ziel" gebt Ihr an, in welchen der vier Fenster (="Puffer") das Filterergebnis angezeigt wird.

Die besten Ergebnisse habe ich mit dem "Mexican Hat-Filter" erzielt - auch hier gilt: einfach Ausprobieren - die Verbessung und der Detailreichtum gegenüber dem gestackten Bild ist schon enorm.

Zum Vergleich:

hier das Summenbild aus dem Stacking vor Filterung durch Giotto:

Und nach der Filterung durch Giotto:

Ähnliche Ergebnisse lassen sich übrigens auch mit Registrax erzielen: https://www.astronomie.be/registax/

4) Finale Nachbearbeitung:

Für das finale Nachbearbeiten wie Farbanpassung und Schärfen eigent sich jedes Fotonachbearbeitungsprogramm. Am besten geht es vermutlcih mit Photoshop, das habe ich aber aktuell nicht.

Für die endgültige Nachbearbeitung benutze ich Gimp und Darktable (Linux) sowie Luminar 4 (Windows, kostenpflichtig). Luminar 4 benutzt "AI-Filter", damit kann man tolle Dinge anstellen.

Als optionalen Zwischenschritt zwischen Autostakkert und Giotto empfiehlt sich für das Summenbild eventuell eine Dekonvolution.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dekonvolution

Diese führe ich von Fall zu Fall mit der kostenpflichtigen Windows-Software "Astra Image" durch.

Luminar 4 und Astra-Image laufen nicht unter Linux/Wine, auf meinem Linux-Rechner benutze ich beides in einer Virtual Machine mit Windows 10.

 

Erste Ergebnisse

Es sei erwähnt, dass ich Anfänger bin. Der Profi mag eventuell über meine ersten Versuche "müde Lächeln", aber ich arbeite daran.

Per aspera ad astra - Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen

 

Planetenparade mit Mond: Mars, Jupiter, Saturn und Venus  - aufgenommen am 18.09.2020 mit dem Omegon Teleskop ProNewton N 203/1000 OTA,

2fach Barlow-Linse (Jupiter 3fach Barlow-Linse) und Omegon veLOX 290 C Color Astro-Cam (Venus: Canon EOS200D, 17.09.20) - dazu ein Mondbild vom 30.08.20 ohne Barlow, mit 23mm Okular:

 

Jupiter:

Saturn:

Mars:

Venus:

Mond:

Milchstrasse:

Andere Himmelsobjekte:

Diverse Astroscapes:

"All-in-one" Galerie: